Von englischen Originalen, Literarischen Salons und Carl Hiaasen

Ich erinnere mich, wie Manfred Anfang der 90er sein Englisch perfektionierte. Er saß dann immer im ALIBI und las die Krimis im Original. Griffbereit seine beiden Wörterbücher. Ein normales und ein Slang-Wörterbuch. Bereits nach kurzer Zeit waren die beiden Wörterbücher total zerlesen und fielen fast auseinander. Später nutzte Manfred dann intensiv das Internet, weil er dort die spezifischen Slang-Ausdrücke englischer und amerikanischer Städte, Regionen und Milieus fand.

Der deutsche Krimibuchmarkt war Manfred einfach viel zu klein geworden. Viele Autoren wurden ja gar nicht oder sehr spät ins Deutsche übertragen. Er wollte bei seinen Lieblingsautoren, wie beispielsweise Robert Crais, Carl Hiaasen, James Ellroy und Ross Thomas einfach nicht bis zur Übersetzung warten. Und sein Ärger über schlechte Übersetzungen hatte sich damit auch erledigt. Seine Kunden waren begeistert. Wo gab es in Deutschland noch einen Buchhändler, der so viele seiner Empfehlungen gelesen hatte und das auch noch im Original?


Ich erinnere mich, an Manfred und all’ die unterschiedlichen Ladenlokale von ALIBI. An die beiden Geschäfte in der Engelbertstraße, dann an die Ladenlokale am Hohenstaufenring, in der Ehrenstraße und zuletzt in der Limburger Straße. Eins blieb immer dabei immer gleich. Das ALIBI war nicht nur eine Krimibuchhandlung, sondern auch ein Literarischer Salon und zwar nicht nur für Krimifans, sondern auch für Kundige ausgefallener Sach-, Fach- sowie sonstiger Literatur.


Ich erinnere mich, wie Manfred mir Carl Hiaasen: Unter die Haut empfohlen hat. Es war Ende 1990. Ich kannte ALIBI und Manfred erst seit ein paar Wochen. Ich glaube wir Siezten uns noch (!?). Und dann empfahl er mir Unter die Haut. Mit dem Cover des Bastei-Lübbe Verlags. Eine Frau mit einem äußerst kurzen Rock steht an einem Sportwagen und das alles in sehr sehr farbigen Tönen.

Ich hatte mich dem Krimi seit knapp 10 Jahren über Diogenes, rororo und das eine oder andere Buch von Heyne, Ullstein und Fischer genähert. Ambler, le Carré, Greene und Ross Thomas. Ich hatte mehr Interesse als Ahnung. In Frankfurt hatte ich mir in der Bahnhofsbuchhandlung immer die Krimi-Neuerscheinungen angeschaut, den Klappentext und mal reingelesen. Die Wendeltreppe hatte ich, weil erst kurz zuvor eröffnet, für meine Krimibildung nicht nutzen können. Geholfen hätte es wahrscheinlich bei der dortigen Beratungsqualität auch nicht wirklich.

Wie gesagt, ich kannte Manfred erst kurz. Weil ich die Bücher von Hiaasen bereits in Frankfurt in der Hand und vom Cover verschreckt zurück gelegt hatte, habe ich auch im ALIBI zunächst erst einmal Abstand genommen. Manfred musste erst mal mit anderen Empfehlungen bei mir Punkten. Was natürlich ein Leichtes war, bei seinem Wissen und seinem Erzähltalent. Nach wenigen Empfehlungen war mir klar, dass er mir jedes Buch verkaufen konnte. Mann, war ich blöd auf das Cover eines Buches zu achten!

21.04.13

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s